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Ratgeber

Kunsthaar oder Echthaar

Vor der ersten Perücke oder dem ersten Topper steht fast immer dieselbe Entscheidung. Beide Materialien haben ihre Vorzüge, und keins ist grundsätzlich besser. Hier erfährst du, worin sie sich im Alltag unterscheiden, was sie in der Pflege verlangen und woran du merkst, welches eher zu dir passt.

Die Unterschiede im Überblick

KunsthaarEchthaar
Nach dem Waschenfällt von allein wieder in seine Frisurmuss neu geföhnt oder gelegt werden
Föhn, Glätt­eisen, Locken­stabklassische Fasern nicht, hitze­feste nur begrenztja, aber mit Maß und Hitzeschutz
Regen und feuchte Luftbleibt weitgehend in Formkann sich je nach Struktur kräuseln oder glätten
Pflegewenig Aufwandmehr Aufwand, eher wie eigenes Haar
Halt­barkeitbei täglichem Tragen meist kürzerbei guter Pflege meist länger
Preismeist günstigermeist teurer

Wie gut eine Perücke aussieht und wie lange sie hält, hängt allerdings nicht nur vom Material ab. Verarbeitung, Montur, Frisur und Pflege spielen eine mindestens ebenso große Rolle.

Pflege im Alltag

Hier liegt für viele der größte Unterschied. Klassisches Kunsthaar hat ein Formgedächtnis. Du wäschst es, lässt es trocknen, und es fällt wieder so, wie es geformt ist. Echthaar verhält sich dagegen wie dein eigenes Haar. Nach jeder Wäsche braucht es Föhn, Bürste oder Wickler, bis die Frisur wieder sitzt. Manche empfinden das als zusätzliche Arbeit, andere mögen genau diese Freiheit.

Kunsthaar waschen

  1. Entwirre die Perücke vorher mit einem grobzinkigen Kamm. Beginne an den Spitzen und arbeite dich nach oben vor.
  2. Schwenke sie in lauwarmem Wasser mit einem Perückenshampoo.
  3. Spüle sie gründlich mit klarem Wasser aus.
  4. Drück sie in einem Handtuch aus, ohne zu wringen oder zu rubbeln.
  5. Lass sie auf einem Perückenständer trocknen. Kämme sie erst, wenn sie ganz trocken ist, nie im nassen Zustand.

Echthaar pflegen

Echthaar an einer Perücke wird nicht mehr von der Kopfhaut mit ihren natürlichen Fetten versorgt. Es braucht deshalb mehr Pflege als dein eigenes Haar, damit es geschmeidig bleibt und nicht austrocknet. Alles, was eigenem Haar schaden würde, schadet auch der Perücke.

Aus meiner Erfahrung. So mache ich es, für meine eigenen Perücken. Ich wasche Echthaar genauso wie Kunsthaar. Danach weiche ich es kurz ein, streiche eine Pflege durch und lasse sie einwirken, gern auch eine mit Silikonen. Zum Ausspülen halte ich die Perücke mit der Hand von innen am Oberkopf, sodass die Haare nach unten fallen wie auf dem Kopf, und lasse lauwarmes Wasser von oben darüberlaufen. Gekämmt wird erst, wenn das Haar trocken ist.

Bei beiden Materialien gilt, dass die Pflegeanleitung deines Herstellers Vorrang hat, denn sie ist auf die Faser und die Verarbeitung deines Modells abgestimmt.

Föhnen, Glätten, Locken

Wenn du deine Frisur gern selbst veränderst, kommst du mit Echthaar am weitesten. Du kannst es föhnen, glätten und locken. Zu viel Hitze verträgt es aber nicht, denn auch Echthaar trocknet aus und nimmt Schaden. Eine niedrige Temperatur und ein Hitzeschutz schonen es.

Klassisches Kunsthaar verträgt dagegen keine Hitze. Die Fasern können sich kräuseln, verkleben oder schmelzen. Es gibt aber hitzebeständige Fasern, die sich bei begrenzter Temperatur formen lassen. Welche Temperatur erlaubt ist, hängt von der Faser ab und steht in den Angaben des Herstellers. Zum Stylen setzt du die Perücke am einfachsten auf einen Perückenkopf. Dort steckst du sie mit Nadeln fest, hast einen besseren Halt und kommst von allen Seiten gut heran.

Auch im Alltag lohnt bei Kunsthaar etwas Vorsicht. Es fängt schneller Feuer als eigenes Haar. Halte deshalb Abstand zu Kerzen, offenen Flammen und großer Hitze, etwa am Backofen oder am Grill.

Preis und Haltbarkeit

Kunsthaar ist in der Anschaffung meist günstiger. Wie teuer eine Perücke wird, entscheidet aber oft weniger das Material als die Machart. Eine von Hand geknüpfte Perücke kostet deutlich mehr als eine maschinell gefertigte, ganz gleich, ob aus Kunst- oder Echthaar.

Bei der Haltbarkeit hat Echthaar meist die Nase vorn. Eine feste Lebensdauer lässt sich aber nicht nennen, und selbst die Angaben der Händler gehen weit auseinander. Es kommt darauf an, wie oft du eine Perücke trägst, wie lang das Haar ist, wie stark es an der Kleidung reibt und wie du es pflegst. Bei täglichem Tragen zeigt Kunsthaar oft schon nach einigen Monaten deutliche Spuren. Echthaar hält bei guter Pflege länger und lässt sich im Fachgeschäft auch wieder aufarbeiten. Wer zwei Perücken im Wechsel trägt, verteilt die Beanspruchung und verlängert so die Zeit für beide.

Wie natürlich es wirkt

Echthaar fühlt sich an wie Haar, weil es Haar ist. Gutes Kunsthaar ist heute oft kaum davon zu unterscheiden, manche Fasern glänzen allerdings etwas stärker. Eine sorgfältig gearbeitete Perücke aus Kunsthaar kann natürlicher wirken als eine einfache aus Echthaar. Entscheidend sind vor allem der Haaransatz, der Scheitel, die Farbe und wie gut die Perücke auf deinem Kopf sitzt.

Bei einem Topper kommt es zusätzlich darauf an, wie gut er sich mit deinem eigenen Haar verbindet. Farbe und Struktur sollten so ähnlich sein, dass der Übergang nicht auffällt.

Echthaar ist nicht gleich Echthaar

Auch innerhalb eines Materials gibt es große Unterschiede. Je nach Herkunft ist Echthaar kräftiger oder feiner, glatter oder welliger. Wie hochwertig eine Perücke ist, verrät das Herkunftsland allein aber nicht. Wichtig sind auch die Auswahl des Haares, ob es gefärbt oder chemisch behandelt wurde und wie sorgfältig es verarbeitet ist. Häufig begegnet dir der Begriff Remy-Haar. Dabei liegen alle Haare in derselben Wuchsrichtung und die Schuppenschicht ist weitgehend erhalten, sodass sie sich weniger verheddern. Ein vollständiger Nachweis für Qualität ist die Bezeichnung allein aber nicht.

Bei Kunsthaar ist es ähnlich. Es gibt viele verschiedene Fasern, manche fester, andere weicher im Fall. Woraus eine Faser besteht und wie viel Wärme sie verträgt, steht in der Produktbeschreibung.

Im Nacken und an warmen Tagen

Wo die Haare auf Schultern, Kragen oder Schal reiben, verfilzen sie mit der Zeit zuerst, bei Kunsthaar meist schneller als bei Echthaar. Ein regelmäßiger Blick in den Nacken und vorsichtiges Entwirren helfen. An warmen Tagen kann es unter beiden Materialien warm werden. Wie stark, hängt weniger vom Material ab als davon, wie luftig die Montur gearbeitet ist. Trägst du deine Perücke viele Stunden am Tag, lohnt sich ein Blick darauf schon beim Aussuchen.

Was die Krankenkasse damit zu tun hat

Bei krankheitsbedingtem Haarausfall kann die Ärztin oder der Arzt eine Perücke verordnen. Das Rezept löst du bei einem Zweithaarfachgeschäft ein, das mit deiner Krankenkasse abrechnet. Dort lässt du dich zu passenden Modellen und den Kosten beraten. Je nach Versorgung kommt ein Modell infrage, dessen Kosten die Kasse übernimmt, oder bei einer höherwertigen Ausführung ein Eigenanteil. Was genau übernommen wird, hängt von den Verträgen deiner Krankenkasse und von deiner Situation ab. Kläre deshalb vor dem Kauf mit Kasse und Fachgeschäft, welche Unterlagen du brauchst und ob du etwas selbst bezahlst. Wie das im Einzelnen läuft, steht im Ratgeber Haarersatz und Krankenkasse.

Was eher zu dir passt

Kunsthaar passt oft gut, wenn du wenig Zeit für Pflege hast, deine Frisur nicht selbst verändern möchtest und erst einmal ausprobieren willst, wie sich eine Perücke für dich anfühlt.

Echthaar passt oft gut, wenn du gern mit Föhn und Lockenstab arbeitest, deine Frisur immer wieder ändern möchtest und eine Perücke lange tragen willst.

Viele tragen auch beides, je nach Anlass. Es gibt keine falsche Wahl, nur eine, die gerade besser in dein Leben passt.

Mit beidia

Behalte in beidia den Überblick über deine Perücken, Haarteile, Extensions und Tücher. Halte fest, wann du was getragen hast, was dir gefallen hat und womit du dich sicher gefühlt hast. Auf deiner Wunschliste merkst du dir Modelle, die dir gut gefallen und die du dir in Zukunft zulegen möchtest.

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Wie du deinen Kopf vor dem Kauf richtig ausmisst, liest du im Ratgeber Kopfumfang richtig messen.

Ob ein Topper oder eine Perücke besser zu dir passt, liest du im Ratgeber Topper oder Perücke im Vergleich.

Von Martina Kohls · Stand Oktober 2026

Quellen